Jahrgang 2001

Der erste Jahrgang: 2001

20 Personen der Rebbaugenossenschaft Staufberg (RGS) nahmen am 5. Oktober 2001 den ersten Traubenleset in Angriff. 98 kg Traubengut in einem hervorragenden Zustand (trotz misslichem September praktisch keine Fäulnis) von 85° Oechsle wurden im Rebgelände der RGS geerntet und dies im zweiten Rebenjahr!

Die andern Regentbesitzer der RGS mussten das gute vom weniger guten Traubenmaterial trennen. Damit auch mit Grauschimmel befallenes Traubengut mitverarbeitet werden kann, wird dieses auch separat abgebeert. Um einen Grauschimmelton im Wein zu vermeiden, wurde diese Maische wenig später im Keller schonend abgepresst und der Traubenmost kurzfristig auf 65° erwärmt. Nach ca. 12 Stunden, d.h. nach dem Abkühlen und filtrieren durch einen Stoffsack fügte Kellermeister Philipp Rüttimann den Saft der übrigen Maische zu.

Nach dem Abbeeren der Trauben wurden der Maische 1,5 kg Zucker pro hl Most zur Harmonisierung des Zucker-Säureverhältnisses zugefügt. Weiter wurde der Maische 5% schweflige Säure (ca. 80 mg/l zur Verhinderung der Oxidation und der Entwicklung von Bakterien) sowie 30 g Trockenreinzuchthefe pro hl (machen den Gärverlauf schneller und berechenbarer) beigegeben. Die Schwefelbeigabe ist notwendig und in dieser Menge gesundheitlich absolut unbedenklich.

Nach 3 bis 4 Tagen Maischegärung bei 20° bei Kellertemperatur ist genügend Farb- und Gerbstoff im Saft enthalten, sodass dieser bei ca. 50° Öchsle abgepresst werden kann. Bis zur vollständigen Vergärung des Traubenmostes (Umwandlung von Zucker in Alkohol unter Freisetzung von Kohlendioxyd) dauert es ca. 7 bis 20 Tage. Dann wird der junge Wein zum ersten Mal in einen andern Behälter umgezogen um ihn von den Hefe- und Trubstoffen zu trennen. Nach dem biologischen Säureabbau, welcher die aggressive Apfelsäure in die mildere Milchsäure umwandelt und je nach Kellertemperatur früher oder später einsetzt, kann der Jungwein zum erstenmal degustiert werden.
Technische Daten

Alkoholische Gärung
° Öchsle x 2  = Zuckermenge in g pro Liter Saft
Zuckerung von 1 kg/hl ergibt 4° Öchsle
oder 18 g/l Zucker erhöht den Alkoholgehalt des Weines um 1 Vol%

Einbrand: 1 dl 5% schweflige Säure pro hl
Zuckerung: 0 bis 2 kg pro hl je nach Öchslegrade
Reinzuchthefe: 30 g pro hl

Malolaktische Gärung (biologischer Säureabbau BSA)
Bedingungen für deren Einsetzen:
Temperatur: 15° bis 20° Celsius
ph-Wert: 3,2 bis 3,4
SO: max. 15 mg/l

Kontrolle des BSA-Verlaufs (aus 1 g Apfelsäure entsteht 0,66 g Milchsäure und 0.34 g CO):
– visuell durch Beobachtung des Gärspundes (CO2-Druck)
– degustativ durch prüfen der Aromatik
– mikroskopische und chemische Messungen

 

Degustationsnotizen

 

Am 16. März 2002 stellte Kellermeister Philipp Rüttimann den jungen Regentwein zum ersten mal der RGS vor. Nachfolgend die Degustationsnotizen des Jahrgangs 2001:

 

Auge:

Der Wein besitzt eine mittelsatte Farbe, die von bordeauxrot bis zu leicht dunkel-rotbraunen Reflexen reicht. Der Wein ist noch leicht trüb. Der Feintrub fördert, wenn er von guter Qualität ist, die Harmonie (das Zusammenspiel Süsse-Säure-Gerbstoff-Aroma) des Weines.

Die Viskosität (das herunter fliessen der Alkohole am Weinglas, Kirchenfenster) ist vorhanden und zeigt sich für einen Regent sehr schön. Die noch vorhandene Kohlensäure wird später  mittels eines offenen Umzuges entfernt. Kohlensäure fördert die Gerbstoffempfindung, die so genannte Adstringenz, beim Rotwein eher negativ.

 

Nase:

In der Nase zeigt der Regent sehr reife, fruchtige Komponenten, welche an reifes Obst erinnern. Gut zu erkennen sind Aromen, wie reife Pflaumen und Kirschen. Auszumachen sind auch leichte Gewürzaromen, die an Kakao und Nelken erinnern.

 

Gaumen:

Der weiche Fluss ist lang. Sogleich greift eine stützende Säure ein, die einem bis zum Hinunterschlucken begleitet und auf der Zunge sehr lebendig erscheinen lässt. Sehr schön lassen sich die in der Nase wahrgenommenen Komponenten im Gaumen wieder finden. Das heisst der Wein ist ausgewogen, denn Nase wie Gaumenempfindungen stimmen überein. Die Gerbstoffe sind von guter Qualität und lassen einen angenehmen Eindruck zurück.

 

Zusammenfassung:

Der Regent 2001 ist ein komplexer Wein. Das heisst Aroma, Süsse und Säure wechseln sich ständig ab. Auch das Aroma verändert sich noch im Gaumen vom eher fruchtigen in ein würziges Spektrum. Die Aromaempfindung und der Körper sind recht intensiv.

 

Abfüllung

Der am 15. Mai 2002 in 50cl-Flaschen abgefüllte Wein ist jetzt bereits auf dem Höhepunkt seiner Trinkreife. Der pH-Wert von 3,8 bedeutet, dass der Wein nicht sehr lagerfähig ist und bald getrunken werden muss. Eine Lagerung würde dem Wein dieses Jahrgangs eher schaden.

Verfasser: Peter Stutz