Jahrgang 2003

Der dritte Jahrgang: 2003
Das Traubengut

Das Traubengut ist von hervorragender Qualität; gut gepflegt, am 8. September gelesen und zur Kelterung nach Seengen angeliefert worden.Thomas Lindenmann hat durchschnittlich ca. 85° Oechsle gemessen (letztes Jahr durchschnittlich 82,6° Oechsle). Für einen guten Regentwein sind 82° bis 86° anzustreben. Gesamthaft sind über 1’400 kg Trauben gelesen worden. Die Rebbaugenossenschaft Staufberg hat dazu 496 kg mit 86° Oechsle beigetragen.

Auf Grund der ausserordentlichen Temperaturen hat der Säureabbau der Reben teilweise bereits am Stock stattgefunden. Thomas Lindenmann hat eine Restsäure von ca. 5,4 g/Liter gemessen. Für die Regenttrauben sind in diesem Stadium 6 bis 7 g/Liter normal. Wie sich dies schlussendlich auf den Wein auswirken wird ist noch nicht klar; Erfahrungen fehlen diesbezüglich weitgehend.

Die Kelterung

Am 7. November erfahren wir bei Thomas Lindenmann, Weinbau in Seengen während einer Kellerbesichtigung und anschliessender Degustation mehr über unseren Wein.

Zur Vermeidung von Krankheitskeimen wurde das Traubengut vorerst mit Weinsäure geringfügig angesäuert. Die überschüssige Weinsäure wird beim Absinken des ph-Wertes während der zweiten Gärung wieder auskristallisiert. Nach üblichem Zuckerbeisatz von 1,5 kg auf 100 Liter und der Beigabe von Reinzuchthefe kommt die alkoholische Gärung kontrolliert in Gang.

Mit einer leichten Erwärmung bei ca. 25° Oechsle wurde die Maische abgepresst und laufend gekühlt. Die Maischenerwärmung bewirkt, dass etwas weniger Beerenfrucht, dafür mehr “wärmere” – für den Regent bessere Aromen – den Wein beherrschen. Da die Regenttraube relativ viel Gerbstoff mitbringt und auch der Saft schon rot gefärbt ist, wird bei ca. 25° Oechsle abgepresst um noch mehr Tannin im Wein zu vermeiden.

Der Ausbau

Anfang November begann die zweite Gärung: ein biologischer Säureabbau, ausgelöst von traubeneigenen Bakterien. Bei diesem Prozess wird die aggressive Äpfelsäure in die mildere Milchsäure umgewandelt und dauert ungefähr drei Wochen. Der Keller mit den grossen Edelstahltanks wird in dieser Zeit auf eine Temperatur von 18 bis 20 Grad erwärmt.

Für die Entwicklung des Weines ist jetzt eine entscheidende Phase. Während dieser Nachgärung kontrolliert der Kellermeister laufend, ob der Jungwein keine Fehler aufweist. Bei jedem Tank wird mindestens jede Woche einmal eine Degustation vorgenommen. Erkennt man eine falsche Note im Frühstadium, hilft in der Regel ein zusätzliches Umziehen mit dem für den Regent besonders wichtigen Luftkontakt.


Abfüllung

Am 26. Mai 2004 wurde unser Regent mit einer Ausbeute von 69% und einem Alkoholgehalt von 13 vol% abgefüllt. 370 Liter Wein wurden in 312 Flaschen à 75 cl und 272 Flaschen à 50 cl verteilt. Bei einer vorhergehenden Degustation mit der Genossenschaftsverwaltung wurde entschieden, den Regent mit 8% Blauburgunder von Seengen zu assemblieren.

Degustationsnotiz (Stand: 2.06.04)

Der Regent besitzt eine tiefrote Farbe mit violetten bis blauen Reflexen. In der Nase sind neben einer zarten Holznote dunkle Früchte (Kirschen, Brombeeren) und würzige Komponenten (Nelken) wahrnehmbar.
Der Wein zeigt eine angenehme Gaumenfülle mit harmonischer Säure und reifen Gerbstoffen. Auch der Abgang ist sehr ausgewogen mit Spuren von Dörrfrüchten, Nelken und Kakao.

Überraschend ist die bereits angenehme Trinkreife. Wer den fruchtigen Regent mag, sollte ihn in den nächsten 2 bis 3 Jahren trinken. Die Holznote verschwindet mit der Zeit oder man öffnet die Flaschen 30 bis 60 Minuten vor dem Konsumieren.
Liebhaber gereifter Weine warten mindestens 2 Jahre und die Struktur des Regents 2003 verspricht dann noch weitere 3 Jahre optimale Genussreife.

Verfasser: Peter Stutz